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Barrierefreies Webdesign

Was sind eigentlich barrierefreie Webseiten?

Barrierefreie Webseiten sind zunächst Webseiten, die für alle zugänglich sind.

Für alle heißt: egal ob kurz- oder weitsichtig, rot-grün-blind oder blind, hörgeschädigt oder motorisch eingeschränkt, und deshalb z.B. nur mit Tastatur und ohne Maus unterwegs, unabhängig vom technischen Equipment, vom Browser, von installierter Zusatzsoftware (Plug-Ins), der Bildschirmauflösung oder der Geschwindigkeit des Internetzuganges.

Barrierefrei für Menschen mit Behinderungen:

Für die Behörden der Bundesverwaltung bestand laut §11 BGG (Behindertengleichstellungsgesetz) und BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) eine gesetzliche Verpflichtung, öffentliche zugängliche Webauftritte bis spätestens Ende 2005 barrierefrei zu gestalten.

Dabei reichte es nicht aus, wenn der Auftritt einfach in einer zusätzlichen Textfassung bereit gestellt wird.

Es ist zu erwarten, dass in wenigen Jahren auch die freie Wirtschaft verpflichtet wird, Internetauftritte barrierefrei zu gestalten, so dass medi-data empfiehlt, bei Neuerstellung oder Relaunches bereits jetzt ein Minimum der grundsätzlichen Empfehlungen zur Barrierefreiheit zu berücksichtigen und vorausschauend zu konzeptionieren.

Viele namhafte Firmen bemühen sich im Augenblick ohen jedwede Verpflichtung, Ihre Webauftritte so barrierearm wie möglich zu gestalten. Denn barrierearme Webseitengestaltung (ganz barrierefrei gibt es nicht, daher hier der Begriffswechsel) hat nur Vorteile: für den Besucher und damit für den Anbieter, wie auch für die Indizierung in Suchdiensten.

Warum für Behörden die geltenden Vorschriften bindend wurden, zeigt ein Blick in die Kenndaten des Statistischen Bundesamtes (StBA).

Behinderte in Deutschland (Ende 2002):

  • ca. 1,1 Millionen Menschen litten unter dem Verlust, Teilverlust oder Funktionseinschränkungen von Gliedmaßen.

  • ca. 16.000 Menschen waren querschnittsgelähmt

  • ca. 155.000 Menschen waren blind

  • ca. 550.000 Menschen waren sehbehindert

  • ca. 236.000 Menschen waren gehörlos oder schwerhörig.

Dazu kommen weitere Menschen mit Einschränkungen:

  • z.B. Menschen mit Behinderung, welche kürzer als 6 Monate andauern. Diese fallen nicht unter die Definition behindert / schwerbehindert und sind in obiger Statistik nicht erfasst.

  • z.B. Menschen mit den verbreiteten Einschränkungen im Alter:
    ca. 50 % aller Menschen ab dem Alter von 65 Jahren leiden unter diversen Beeinträchtigungen wie Seh- und/oder Hörschwächen, die ebenfalls nicht in die Behindertenstatistik hinein zählen.

Daten entnommen aus Barrierefreies e-Government - Leitfaden für Entscheidungsträger, Grafiker und Programmierer vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

All diese Behinderungen oder Einschränkungen können sich auf die Wahrnehmung der angebotenen Internet-Inhalte auswirken. Oft scheitern Hilfsmittel, wie z.B. die Sprachausgabe für Blinde daran, dass Internetauftritte Techniken verwenden, die eine Sprachausgabe unmöglich machen.
Beispiele dafür sind:
Texte, die sich in Flash oder Grafiken "verstecken", die Verwendung von Frames oder Pop-Up-Fenstern, mit den Sprachausgabesystem grundsätzlich noch nicht umgehen können, Verwendung von Tabellen ohne Angabe, in welcher Reihenfolge die Zelleninhalte ausgelesen werden müssen.

Die überwiegende Zahl an Webseiten ist somit für Blinde nicht zugänglich, obwohl diese über Hilfsmittel und den Internetzugang verfügen.

Und dabei wäre es so wichtig, bei der Erstellung der Auftritte gerade auf diese Menschen zu achten. Denn: behinderte Menschen nutzen das Internet zu einem weitaus höheren Prozentsatz, als nicht behinderte Menschen.

Beispiel: Blinde Internetnutzer

Häufig wird angenommen, dass blinde Menschen gar keine Möglichkeit zur Nutzung des Internets haben und gefolgert, dass eine entsprechende Anpassung der Webseite an die Bedürfnisse blinder Menschen sinnlos wäre bzw. besteht Unwissenheit darüber, dass das möglich ist.

Dabei gibt es mindestens zwei Varianten, Webseiten auch Blinden zugänglich zu machen: Ausgabe der Site für die Braillezeile - ein Hilfsmittel, welches den auf dem Monitor dargestellten Text in Brailleschrift ausgibt - und die Sprachausgabe.

Beispiel: Farbenblinde und rot-grün Blinde Internetnutzer

Sie können leicht im Internet surfen, wenn Seiten so gestaltet sind, dass die Inhalte trotz der Sehbinderung wahrnehmbar bleiben. D.h. beispielsweise Buttons oder Links mit Rahmen oder Unterstreichungen zu gestalten, Farben zu wählen, die auch mit diesen Einschränkungen Kontraste bilden und Alternativtexte für Bilder zu hinterlegen (Alternativtext wird anstelle des Bildes eingeblendet, vorgelesen oder in Brailleschrift umgewandelt ).

Beispiel: Kurz- und weitsichtige Internetnutzer

Insbesondere für Menschen, bei denen eine Sehhilfe nicht mehr ausreicht, ist es wichtig, dass diese auf Knopfdruck bzw. Mausklick die Schriftgröße variieren können, am geeignetsten wäre natürlich eine freie Skalierbarkeit.

Das Medium Internet ist hier gegenüber dem Print klar im Vorteil - wenn man denn bereit ist, mit etwas weniger detailliert vorgegegebenem Design auszukommen.

Einige Tipps zur Gestaltung barrierefreier Webseiten:

  • Die Schriftgröße wird nicht mehr fix einprogrammiert, sondern variabel.

  • Seiten werden ohne Frames, ohne Pop-Up Fenster und ohne neu ladende Werbebanner gestaltet, da solche Seiten für Blinde nicht navigierbar sind

  • Jedes Bild erhält einen Beschreibungstext, der sinnvoll ist

  • Auf den automatischen Start von Hintergrundmusik wird verzichtet, da er die Sprachausgabeprogramme behindert. Musikeinblendung also nur auf "Sound on" Klick.

  • Bei vertonten Seiten, z.B. Lernhilfen /Gebrauchanweisungen in Form von Videos sollte eine zusätzliche Textfassung angeboten werden oder gar eine Ausgabe des Videos mit Gebärdensprache.

  • Für motorisch eingeschränkte Menschen (Lähmungen, Gliedmaßenverlust), die keine Maus verwenden, wird eine nur mit Tastatur bedienbare Navigation angeboten.

  • Mit Fremdworten, Anglizismen oder Dialekt sollte sehr sparsam umgegangen werden, will man nicht Sprachbarrieren schaffen.

Wie unterscheidet sich eine barrierefreie Seite für Menschen ohne Behinderung von einer Webseite, die auf Barrierefreiheit keine Rücksicht nimmt?

Beachtet man einige Grundregeln für barrierefreies Webdesign, so ist man natürlich sofort beim Layout eingeschränkt. Es beginnt damit, dass man heute Links nicht mehr standardisiert blau und unterstrichen darstellt, sondern dem eigenen Layout anpasst, sie fast im Text verschwinden lässt, maximal noch einfärbt und die Unterstreichungen sozusagen bewusst "wegprogrammiert". Dies macht es für Farbblinde schwierig, Links von Text zu unterscheiden. Das kleinste Zugeständnis und eine eine erste Maßnahme wäre also, Textlinks wieder konsequent zu unterstreichen.

Wir verlassen außerdem Layouts, die mit fixen Seitenhöhen agieren, denn bei variablen Schriftgrößen ist ein Zeilenumbruch natürlich nicht mehr da, wo der Designer ihn geplant hat, sondern dort, wo er mit der vom Besucher bevorzugten Schriftgröße hingehört. Die Seite verlängert sich je nach gewählter Schriftgröße und alles Bemühen des Grafikers, kurze oder gar gleichlange Texte pro Seite auf Grund des optischen Eindruckes zu erzwingen (welch ohnehin unsinniges Kriterium für einen Text) sind damit hinfällig. Durch variable Schriftgrößen lässt es sich eben nicht mehr festlegen, wie eine Website insgesamt wirken wird und sie braucht sinnvollerweise "Auslauf" nach unten.

Eine mit Frames programmierte Website (d.h., eine Bildschirmseite setzt sich aus mehreren Dateien zusammen) entfällt. Geframte Auftritte können nicht barrierefrei sein, da Sprachausgabe und Navigation über mehrere Dateien bislang unzureichend gelöst sind. Ebenso erübrigen sich Werbebanner (permanentes Nachladen von Informationen), sowie Pop-Up-Fenstern (Inhalte werden in neuen Browserfenstern angezeigt), da Hilfesysteme dies noch nicht korrekt umsetzen können.

Nähern sich barrierefreie Seiten also wieder den früheren Zeiten des Internets, als man noch pure Informationen vorfand, ohne von farbigen Pixeln "erschlagen" zu werden? Als man noch Surfen konnte ohne DSL, nur mit einem Modem? Den Zeiten, als man ohne ständig "Skip Intro" "Sound off" oder "Fenster schließen" zu klicken, ganz einfach zur gewünschten Information navigieren konnte?

Das Motto lautet scheinbar "Vorwärts in die Vergangenheit - zurück zu puren Internetseiten"?

Nun, ganz so ist es nicht, durch die aktuelle Technik der CSS-Programmierung mit einer Trennung von Inhalt und Layout, sollte es relativ leicht möglich sein, eine sowohl "ansprechbar aussehende" Website, wie gleichzeitig "barrierefreie" Version des eigenen Auftrittes anzubieten oder einen Mittelweg zu gehen, der nahezu barrierefrei und dennoch optisch gefällig ist.

Und aus der Sicht eines nicht eingeschränkten Internetsurfers: hätte ein solcher Zustand nicht durchaus auch Vorteile, denn es erfolgt doch damit automatisch eine Konzentration auf die Information bei drastisch verringerten Ladezeiten, also Nutzen für jedermann?

Und der Internetbesucher möchte in aller Regel eines: die gewünschte Information schnell und kostenlos auffinden.
Schließlich hat er sich vorher darum, diese auch zu finden.

Prüfung Ihres Auftritts auf Barrierefreiheit

Mit www.barrierefinder.de können Sie testen, wie barrierefrei Ihr Auftritt jetzt bereits ist.

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